Francisca Gonzaga und die brasilianische Karnevalsmusik

Francisca Gonzaga, 1877

Wusstet ihr, dass der erste große Karnevalshit Brasiliens von einer Frau geschrieben wurde? Vielleicht kommt euch diese Melodie sogar bekannt vor, denn in Brasilien ist das Lied bis heute noch bekannt. Ich bin Carla von widerSTIMME und ich stelle euch heute die Komponistin Francisca Gonzaga vor und erkläre, warum sie so wichtig war für die brasilianische Karnevalsmusik.

1. Kapitel: Wer war Francisca Gonzaga überhaupt?

Francisca Gonzaga war eine der ersten Frauen in Brasilien, die überhaupt von Musik leben konnten. Nach ihrer frühen Scheidung mit Anfang 20 war sie finanziell auf sich allein gestellt. Da sie als Kind eine “klassische” Ausbildung zur Hofdame erhielt, konnte sie recht gut Klavier spielen. Um Geld für sich und ihren Sohn zu verdienen, fing sie also an, in Rio de Janeiro Klavier zu unterrichten, als Pianistin aufzutreten und eigene Kompositionen zu veröffentlichen. Als Frau mit Musik Geld zu verdienen, war zu ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich: Es war zwar üblich, dass Frauen – vor allem im höfischen Kontext – eine fundierte musikalische Ausbildung erhielten. Trotzdem wurde von Frauen erwartet, Musik nur im häuslichen Rahmen oder im privaten Salon zu machen. Die musikalischen Berufe waren den Männern überlassen. Das war übrigens nicht nur in Brasilien so, sondern auch in Europa Gang und Gäbe im 19. Jahrhundert.

2. Kapitel: Was hat Francisca Gonzaga für Musik gemacht? 

Musikalisch war Gonzaga für die Geschichte Brasiliens eine wirklich wichtige Person. Sie brachte verschiedene Klangwelten zusammen und verband klassisch-europäische Musik mit afrobrasilianischen Rhythmen und den urbanen Tanzformen Brasiliens. Aus dieser Mischung entwickelte sich später der brasilianische Nationalstil und die für den Karneval so wichtige Samba. 1899 schrieb sie den Karnevalsmarsch Ô, abre alas.  Das Lied wurde sofort zum Hit und gilt noch heute als einer der ersten großen Karnevalssongs überhaupt. Musik zum Tanzen und Feiern war aber nicht das einzige, was Gonzaga komponiert hat. Ihr zweites großes Standbein war das Musiktheater. Hier hatte sie es aber noch viel schwerer, denn zu ihrer Zeit war das Theater in Brasilien für Frauen verboten. Aber Gonzaga setzte sich durch und als sie 38 war, wurde ihre erste Operette A corte na roça in Rio uraufgeführt. Insgesamt komponierte sie 77 Bühnenwerke. Kurze fachliche Einordnung: das ist sau viel – auch im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen. Durch die synkopischen Figuren in den Begleitstimmen, die sehr an den Tango erinnern, behält sie in vielen ihrer Werke aber die Leichtigkeit der Tanzmusik bei. Insgesamt hatte sie mit ihren Operetten so großen Erfolg, dass sie Anfang des 20. Jahrhunderts für acht Jahre nach Europa ging, um hier ihre Musik zu verbreiten und auch neue Musik zu komponieren.

3. Kapitel: Und außer Musik? Was hatte sie sonst noch drauf?

Francisca Gonzaga engagierte sich aber auch politisch. Da sie selbst die Tochter einer befreiten Sklavin war, setzte sie sich aktiv für die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien ein. Sie verkaufte ihre Noten beispielsweise auf der Straße, um Geld für Befreiungs-initiativen zu sammeln. Ihre Bühnenstücke nutzte Gonzaga außerdem immer wieder als ironischen Kommentar auf die patriarchalen Zustände ihrer Zeit in Brasilien. 

Synthese und Abschluss

Francisca Gonzaga hat damit also nicht nur den brasilianischen Karneval geprägt, sondern auch gezeigt, dass Musik ein Ort von Öffentlichkeit, Teilhabe und Veränderung sein kann. Dass ihre Melodien bis heute gespielt werden, zeigt, wie nachhaltig ihr Einfluss auf die brasilianische Musikkultur war. Denn ohne Gonzaga würde der brasilianische Karneval heute wahrscheinlich anders klingen.

Beitrag von Carla Markmann; xx.xx.2026