margaret bonds
Biografie
“Women are expected to be wives, mothers, and to do all the nasty things in the Community (Oh, I do them). And if a woman is cursed with having talent too, then she keeps apologizing for it. It really is a curse, in a way, because instead of working 12 hours a day like other women, you work 24.”
(Margaret Bonds in einem Interview 1964 über die Herausforderungen einer Komponistin)
Aktivismus und musikalische Aussagekraft, das wurde der afroamerikanischen Komponistin Margaret Bonds bereits in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Chicago auf, einer Stadt, die musikalisch träumen ließ, aber gleichzeitig vom Rassismus tief gespalten war.
Ihre Kindheit verbrachte sie bei ihrer alleinerziehenden Mutter (Estelle C. Bonds), von der sie früh Klavierunterricht erhielt und so in das Musikleben Chicagos eingeführt wurde. Bonds Vater (Monroe Alpheus Majors) war Schriftsteller und ein aktiver Teil der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Unter anderem durch ihn wurde Bonds schon früh mit Ungleichheitsfragen und dem Thema Rassismus konfrontiert.
Der Klavierunterricht von ihrer Mutter und die mit afroamerikanischer Kultur aufgeladene Umgebung in Chicagos Süden brachten Bonds bereits in jungen Jahren an die Komposition. Schon mit 15 Jahren komponierte sie ihr erstes Lied – einen Wahlkampfsong basierend auf Texten ihres Vaters.
Bonds studierte Klavier und Komposition in Chicago und an der Juilliard University in New York. Hier lernte sie auch die Komponistin Florence Price kennen. Anfänglich war Bonds nur eine Klavierschülerin von Price, später verkehrten sie auch in den selben musikalischen Kreisen und Netzwerken und freundeten sich an.Während ihres Studiums sah Bonds sich verstärkt mit dem Rassismus konfrontiert, der auch an ihrer Universität zum Alltag dazugehörte. In dieser Zeit fand sie Trost und Hoffnung in den Gedichten von Langston Hughes:
“I came in contact with this wonderful poem, ‘The Negro Speaks of Rivers’, and I’m sure it helped my feelings of security. Because in that poem he tells how great the black man is. And if I had any misgivings, which I would have to have – here you are in a setup where the restaurants won’t serve you and you’re going to college, you’re sacrificing, trying to get through school – and I know that poem helped save me.”
(Margaret Bonds in einem Interview mit James Hatch im Dezember 1971 über die Gedichte von Langston Hughes)
Trotz Geschlecht und Herkunft konnte Bonds als Komponistin und Pianistin schnell in der Musikwelt Amerikas Fuß fassen: Als sie beispielsweise 1933 mit dem Chicago Symphony Orchestra debütierte, war sie die erste afroamerikanische Frau und Solistin in einem großen amerikanischen Orchester. Ein Jahr zuvor hatte die junge Komponistin den Wannamaker Price für ihr Lied Sea Ghost erhalten.
An ihrem musikalischen Schaffen wird vor allem ihre Fähigkeit zur Kombination von klassischen, populären sowie afroamerikanischen Merkmalen offensichtlich. In ihren Werken, aber auch in ihrem persönlichen Engagement kann man ein allgegenwärtiges Streben nach sozialer Gerechtigkeit – gerade im Kontext Rassismus – in Bonds Idealen erkennen.
So gründete sie die Allied Arts Academy – eine Musikschule, die Kindern aus weniger privilegiertem Umfeld Musikunterricht ermöglicht. Außerdem bemühte sie sich immer darum, Konzerte besonders auch in Zentren afroamerikanischen Lebens und Kultur zu geben.
Bis zum Ende Ihres Lebens verlor Bonds nie an Erfolg, was wohl auch daran lag, dass sie sich an verschiedenen musikalischen Gattungen ausprobierte und dadurch ihre Wandelbarkeit unter Beweis stellte: symphonische Werke, Bühnen- und Kammermusik, sämtliche Lieder, zahlreiche Spirituals – und sie komponierte sogar ein Musical.
Über ihr gesamtes Leben hinweg setzte sich Bonds für die Pflege einer musikalischen Gemeinschaft der Gleichberechtigung und sozialen Gerechtigkeit ein. Sie unterrichtete selbst für die Allied Arts Academy, war aber auch in zahlreichen Organisationen tätig, die sich für die Musik von BIPoC und Frauen einsetzten. Ihr Engagement wurde auch gesellschaftlich gesehen und geschätzt, sodass sie zahlreiche Preise für ihren politischen Einsatz erhielt.
Die Three Dream Portraits, in denen auch das Stück “Dream Variation” zu finden ist, sind in Bonds Schaffen der 50er und 60er Jahre zu verorten. Sie entstammen einer Reihe von Werken, die sich stark mit schwarzer Identität auseinandersetzen und die Bürgerrechtsbewegung dieser Jahre dokumentieren und reflektieren. Mit “Dream Variation” vertont Bonds das gleichnamige Gedicht von Langston Hughes. Es handelt von eben diesen Gleichberechtigungskämpfen in Amerika – nicht etwa auf eine kriegerische Art und Weise, sondern in Form eines Traums von Leichtigkeit und dem Wunsch nach Freiheit.
Marlene Hammer, März 2026
Hörempfehlungen
Troubled Water
Montgomery Variations: I. The Decision – Andante deciso
Credo: II. “Especially Do I Believe in the Negro Race”
Literatur
Cooper, John Michael: “ Bonds, Margaret”, in: MGG Online, 2023, abgerufen unter: https://www.mgg-online.com/articles/mgg20276/2.0/id-525de6f3-6e59-3d36-7030-a8ce5f3ce28b?q=Margaret+Bonds (zuletzt aufgerufgen am 04.03.2026).
Jones, Randye: “Margaret Bonds Biography”, in: Afrocentric Voice in “classical” Musik, 03.12.2022, abgerufen unter: https://afrovoices.com/margaret-bonds-biography/, zuletzt augerufen am 04.03.2026).
Lauritzen, Bria: “Open Ears: The Endlessly unfolding Story of Margaret Bonds”, in: Classical California KUSC, 22.02.2026, abgerufen unter: https://www.kusc.org/articles/open-ears-margaret-bonds ( zuletzte aufgerufen am 04.03.2026).
Shaw Roberts, Maddy: “Margaret Bonds studied with Florence Price and was the first Black Solist to perform with Chicago Symphony “, in: Classic fm, 21.05.2021, abgerufen unter: https://www.classicfm.com/discover-music/women-in-music/margaret-bonds-black-composer-studied-florence-price/ (zuletzt aufgerufen am 04.03.2026).




